Am 27. November fand im Restaurant zum Roten Kreuz jene denkwürdige Versammlung statt, die den Grundstein zum heutigen Musikverein legte. Jene Vorkämpfer, es waren, um einige zu nennen, Theophil Brosi, Saner Albert, Strub Markus, Schnider Albert, Ackermann Josef, Marti Fritz, Marti Albin, Jeker Josef usw. sahen sich an einem Ziele, welches ihnen als Musikanten mächtig und groß galt. Die erwähnte Versammlung war die Frucht jahrelanger Arbeit und es war eine schöne, gesunde Frucht. Es wurde damals der erste Vorstand des Musikvereins gewählt. Dieser setzte sich wie folgt zusammen :
| Th. Brosi | Präsident |
| Schnider Arnold | Vice-Präsident |
| Jeker Josef | Aktuar |
| Hänggi Karl | Kassier |
| Marti Adolf, Mech. | Beisitzer |
| Josef Ackermann | Beisitzer |
| Düblin Eduard | Beisitzer |
Genau ein Monat nach dieser Versammlung, am 24. Dezember 1924 wurden die neuen Statuten von der Mitgliedschaft gutgeheißen und in Kraft gesetzt. Das normale Vereinsleben begann. Unter der rührigen Leitung des Dirigenten Herrn Albin Studer, Bezirkslehrer machte der junge Verein in musikalischer Hinsicht rasch Fortschritte, trat er doch am 31. Dezember 1924 schon das erste Mal vor die Öffentlichkeit im Rahmen eines Silvesterkonzertes. Nachdem der Verein anlässlich der Statutenannahme dem Thiersteinischen Musikverband beitrat, beschloss er am 9. April 1924 dem Solothurnischen kantonalen Musikverband, sowie dem Eidgenössischen Verband beizutreten. Lange Zeit war er neben der Musikgesellschaft Grindel, der Musikgesellschaft Konkordia Nunningen und der Musikgesellschaft Kleinlützel der einzige Verein des Thiersteins, welcher diesen beiden Institutionen angehörte. Als Höhepunkt der jungen Vereinsgeschichte ist wohl das internationale Musikfest vom 19. Juli 1926 in Basel zu erwähnen, an welchem der Musikverein als konkurrierende GeseIlschaft mitwirkte. Lange, intensive Probentätigkeit (3 Wochen lang jeden Abend) unter Zuzug von Kapellmeister Karl Schell aus Basel, zur damaligen Zeit einer der größten, in der Schweiz lebenden Musiker, waren die Vorbereitungen des Musikvereins für dieses Fest und der große Erfolg blieb nicht aus. Mit der Ouvertüre zur Oper "Der Tannenwald" von G. Reissner und unter der Leitung von Albin Studer erkämpfte sich die tapfere Musikantenschar einen ehrenvollen ersten Rang in der 4. Klasse mit 35 Punkten.
Nicht minder gross war der Erfolg am solothurnischen kantonalen Musikfest vom 7./8. Juli 1934 in Dornach. Bei 14 Vereinen, die in der 4. Klasse konkurrierten schnitt der Verein im 2. Rang ab. Das Korps stand damals unter der Leitung von E. Ehrsam, Lehrer in Büsserach und spielte die Ouvertüre "Dem Vaterland" von P. Adam.
Auch das solothurnische Kantonalfest in BaIsthaI vom Jahre 1948 hatte der Verein besucht. Wiederum unter der vorzüglichen Direktion von E. Ehrsam erkämpften die Breitenbacher Musikanten einen 2. Rang mit der Note "Sehr gut". (Ouvertüre " Till Eulenspiegel" von Conradi) " Nach diesen drei glänzenden Erfolgen hat der Verein im Laufe der Jahre eine rege Tätigkeit entwickelt. Es ist in Breitenbach, seit der , Musikverein besteht, zur Tradition geworden, dass am weißen Sonntag die Erstkommunikanten mit einem Prozessionsmarsch in die Kirche begleitet werden. An den Prozessionen der Fronleichnamstage ist der Verein nicht wegzudenken. Was wäre eine Firmung, die alle 3 Jahre in unserem Dorfe durchgeführt wird ohne die Klänge der Trompeten und den Chor der Posaunen.
Wohl kein Bewohner unseres schmucken Heimatdorfes kann sich einen 1. August, den Geburtstag unseres Vaterlandes ohne die Mitwirkung der Musik vorstellen. Welch hehrer und schöner Anblick ist es doch, wenn das Volk eines Dorfes sich versammelt, wenn aus deren Mitte das Vaterlandslied erklingt und wenn sich ein jeder einnehmen lässt, von der wundervollen Kraft der Musik. Eine Einigkeit herrscht dann, Streit und Hader sind vergessen und Eintracht klingt das Lied, klingt Gesang und Trompetenklang in die blaue Nacht eines 1. August. Wenn die Beziehungen zu den gleichartigen Vereinen der Nachbardörfer nur gute sind, dann kommt dies nicht von ungefähr. Wie viele Sonntage haben die Musikanten im Dienste der Kameradschaft anderen Vereinen gegenüber opfern müssen ? Wie viele Male ist der Musikverein mit klingendem Spiele aus dem Dorfe gezogen um an Festen der Umgebung teilzunehmen und um Theater zu "besuchen? Es würde bestimmt eine mächtige Zahl geben, wenn all die Auszüge innert 25 Jahren aufgezeichnet werden sollten.
Dass seit 25 Jahren jedes thiersteinische Bezirksmusikfest besucht wurde ist Selbstverständlichkeit. Aber auch die Kameradschaft im Rahmen des eigenen Vereines wurde gepflegt. Kleine Stürme sind im bestorganisierten Vereine nicht zu verhüten, jedoch immer wieder hat es die Vereinsleitung fertig gebracht und nicht zuletzt der gute Wille jedes einzelnen Mitgliedes, Differenzen zu überbrücken und sie zu einer glücklichen Lösung zu führen. Zahlreiche Sonntagsausflüge wurden unternommen und damit immer wieder neu die Mitglieder in die Kette der Kameradschaft gebunden. Eine unvergessliche Erinnerung ist bestimmt die Furka- Grimsel Reise im Jahre 1934 und die Bündnerreise im Jahre 1949. Beides waren zweitägige Autoreisen und mit Genugtuung denken die Teilnehmer an sie zurück.. .
Nicht nur Reisen und Ausflüge sind Anreger der Kameradschaft, sondern auch Aufführungen von Konzerten und Theatern. Ein Winter ohne öffentliches Auftreten des Musikvereins wurde in den ganzen 25 Jahren seines Bestehens. nicht registriert. Die Höhepunkte dieser Winteranlässe bildeten immer wieder die Theateraufführungen und nahezu wurde das Theaterspielen zu einer Tradition der Breitenbacher-Musikanten. Das erste Mal trat der Verein im Jahre 1925 mit einem Luststück, betitelt "D'r Ehregast" auf die Bühne. Da der Fuchssaal damals noch nicht stand, fanden die Aufführungen im Saale zum Roten Kreuz statt. Nach der Eröffnung des Fuchs-Saales, die am 14. August 1927 unter Mitwirkung des Musikvereins stattfand, wagte sich auch die Breitenbachermusikanten auf die neue, für die damalige Zeit modern eingerichtete Bühne. Das Stück aus der Zeit der Judenverfolgung mit Namen "Debohra", welches im Winter 1929 aufgeführt wurde, brachte den ersten großen Erfolg. Das Stück wurde innert 6 Wochen durch die bewährte Leitung des Herrn Alb. Studer einstudiert. Am 1. Januar 1933 dann ging Jak. Muffs Volksstück "Der Wasserhüter von St. Veit" über die Bretter. Die Regie hatte Herr Bez. Lehrer Saner E. inne und der Erfolg übertraf denjenigen der "Debohra". Nun besaßen die Musikanten einen guten Ruf als Theaterspieler und dies gab ihnen den Mut, unter der Regie von Herrn E. Ehrsam mit dem "Fischertoni", einem schweizerischen Schauspiel von Anton Bucher im Jahre 1936 vor die Oeffentlichkeit zu treten. "Elsi, die seltsame Magd" ein Volksstück aus dem Franzosenkrieg, bearbeitet nach einer Novelle von Jeremias Gotthelf von A. Heizmann wurde wiederum unter der tüchtigen und fachkundigen Leitung Herrn Ehrsams einstudiert und die erste Aufführung fand am 1. Januar 1943 statt. Wenn die Welt auch damals mitten im zweiten Weltkrieg stand; war der finanzielle, sowie der moralische Erfolg ein noch nie dagewesener.
Den Höhepunkt aber bildete die Aufführung des "Lawinendorfes" von J. Muff. Der Regisseur, Herr E. Ehrsam hatte sein ganzes Können angewandt um den großen Zuschauermengen, die während 7 Aufführungen den Fuchssaal füllten einen wahrhaften Genuss schauspielerischen Schaffens bieten zu können. Dass ihm dies gelungen ist bewies die durchwegs äußerst günstige Theaterkritik in der Tagespresse. Wohl noch nie seit seinem Bestehen hat der Musikverein so gute und vorzügliche Kameradschaft gezeigt, wie an den erwähnten Aufführungen im Winter 1947/48. Das hinterste Mitglied gab seinen vollen Einsatz und der Erfolg, den der Verein buchen konnte, wird wohl kaum mehr zu erreichen sein.
Wenn wir einen Blick zurücktun auf die gesamte Theatergeschichte des Musikvereins, dann denken wir unwillkürlich an jene Männer, die sich für die Theatergeschichte durchwegs voll und ganz eingesetzt hatten. Wir können sie nicht aus unseren Gedanken wegwischen die prominenten Gestalten eines Herrn Ehrsam, eines Marti Albin, eines Saner Albert und eines Jeker Josef. Für sie alle war es immer eine Selbstverständlichkeit mit dem Tragen der Hauptrollen dem Vereine in seinem Kulturschaffen uneigennützige Dienste zu leisten,
Aber auch jene, die hinter den Kulissen sich voll zur Verfügung stellten, mit dem Ehrenpräsident, Th. Brosi an der Spitze und seinen unentwegten treuen Gehilfen wie der verstorbene Markus Strub, der Kant. Veteran Ed. Düblin und die heute noch in Aktivmitgliedschaft stehenden Ackermann Josef, Marti Fritz und Vogt Fritz, dürfen nicht vergessen werden. Sie alle sind Gestalten, ohne die die Theatergeschichte des Vereines undenkbar ist.
Wir stehen heute still und blicken zurück auf die gesamte Tätigkeit des 55 Jahre alten Musikverein. 25 Jahre ist im Zeitgeschehen kein Alter, aber doch sind sie es wert kurz über sie nachzudenken. Danken wir jenen Männern, die vor 25 Jahren es gewagt haben, aus den damaligen Wirrnissen heraus einen gesunden und neutralen Musikverein ins Leben zu rufen. Der Verein ist seinen Weg gegangen, still und unentwegt. Er wird ihn weitergehen in den Fußstapfen der Alten, die uns hiezu den Boden geebnet hatten. Möge Gott uns die Kraft hiezu geben. H. St.